Existenzgründung: Was zu beachten ist und wie es mit dem eigenen Laden klappt

Dez 22

Der Einzelhandel zählt zu den drei größten Wirtschaftsbereichen und wird von der gigantischen Welle des Ecommerce zwar geprägt, aber nicht eingeholt. Weiterhin kann es eine gute und sinnvolle Entscheidung sein, sich für die Selbständigkeit im Einzelhandel zu entscheiden. Das „kann” steht hier exponentiell, denn ohne die richtige Vorbereitung und Planung läuft man Gefahr, dass der Traum vom eigenen Laden schnell zum Alptraum wird.

Fachwissen und Typenfrage klären

Wichtig ist, dass Sie sich nicht aus einer spontanen Laune heraus dafür entscheiden, Einzelhändler zu werden. Es ist unbedingte Voraussetzung, dass Sie sich in der ausgewählten Branche auskennen oder sich jemandem anschließen der auf diesem Gebiet Erfahrung und die nötige Ausbildung hat. Mit einem eigenen Laden werden Sie Teil eines immens großen Wirtschaftszweiges und sind damit auch einer großen Konkurrenz ausgesetzt. Ihre Erfolgschancen sind größer und ihre Marktsegmentsprognose steigt exponentiell, wenn Sie Fachkenntnisse mitbringen und somit Ihren Laden den Bedürfnissen der Kundschaft entsprechend noch besser anpassen können.

Zudem sollten Sie sich selbst befragen und ehrlich reflektieren, ob Sie für die Selbständigkeit „geeignet” sind. Die Floskel selbst und ständig scheint plakativ, aber durchaus wahr. Nine to five, geregelter Feierabend und zwei Tage Wochenende sind erst einmal passé. Dafür hält sich die Waage der durchaus positiven Aspekte meist deutlich mehrgewichtig, wenn man denn der Typ dafür ist. Allen voran der Vorzug, sein eigener Chef zu sein und selbst entscheiden zu können, was Priorität hat. Vor allem sollten Sie sich aber bewusst machen, dass Sie es sowohl mit den Verkauf wie auch dem Einkauf von Produkten zu tun haben werden. Sprich, Sie sollten nicht nur über eine verkaufsfördernde Einstellung und ein sicheres Auftreten verfügen sondern sich auch vor betriebswirtschaftlichen wie rechtlichen Belangen nicht fürchten.

Gibt es Bedarf und was macht die Konkurrenz?

Das Spektrum der möglichen Segmente in denen man sich mit einem eigenen Geschäft selbstständig machen kann, wird immer größer. Es ist schon lange nicht mehr beschränkt auf Läden von A - wie Angelbedarf über M- wie Modeboutique bis Z- wie Zoofachhandel. Natürlich sollten Sie nicht den vierten Laden für Bio-Kosmetik in einer Straße eröffnen, aber gerade in Großstädten wird der Bedarf an ausgefallenen Nischenkonzepten und damit die Chance auf ein eigenes Business immer größer. Egal in welche Richtung Sie sich entwickeln, sollten Sie stets versucht sein, sich sichtbar von der Konkurrenz abzuheben und Alleinstellungsmerkmale entwickeln. Richten Sie Ihr Konzept und Ihre Produktauswahl auf eine streng festgelegte Zielgruppe und deren Bedarf aus und vergewissern Sie sich, wo Ihr Mehrwert im Vergleich zur Konkurrenz liegt. Sich darüber im Vorfeld bewusst zu sein, ist unabdingbar. Fachzeitschriften, Marktanalysen, Verbände, der Besuch von Messen oder gezieltes „Beschnuppern” von Läden mit ähnlichem Profil können weiterhelfen, sein eigenes Profil so präzise wie möglich zu definieren.

Sinnvolle Unterstützung - Gründungsberatung

Nicht nur, weil der Einzelhandel einen neuen Strukturwandel erfährt, ist es mehr als sinnvoll, in seine Planung externe Berater hinzuzuziehen. Es erfordert zunächst einen immensen Einsatz, man hat einen Berg von unbeantworteten Fragen, die allein zu beantworten, kaum möglich ist. Zudem hilft ein externer Berater dabei, Kardinalfehler, wie eine zu optimistische Einschätzung von Geschäftszahlen, im Vornherein zu vermeiden und eine realistische Zeitplanung anzustellen. Weiter kann Sie eine professionelle Existenzgründerberatung dabei unterstützen Ihre Finanzierung zu planen, Ihren Marktwert einzuschätzen, die Konkurrenz zu analysieren, Ihr Angebot zu besprechen, einen Businessplan zu erstellen, Marketingkonzepte mit Ihnen auszuarbeiten und auf Risiken und Chancen hinzuweisen. Die Beratung zur Existenzgründung kann öffentlich bezuschusst werden. Kostenlose Erstgespräche liefern hier weitere Informationen (mehr dazu unter Finanzierung).

Allein, im Team oder übernehmen?

Neugründung

Hier wären Sie nicht allein auf weiter Flur, denn die Neugründung zählt zu den beliebtesten Gründungsformen. Entscheiden Sie sich, allein neu zu gründen, sind Sie im Besitz der alleinigen Entscheidungsgewalt und können alles nach Ihren Vorstellungen und Wünschen planen, gestalten und umsetzen. Nachteil ist, dass alle Herausforderungen und die Verantwortung allein bei Ihnen liegt. Das können Sie minimieren, wenn Sie sich für eine folgend vorgestellte Gründungsform entscheiden.

Teamgründung

Wie der Name schon sagt, sind Sie sie hier nicht allein mit Ihrer Geschäftsidee und können die Arbeit, die Verantwortung und das Risiko teilen, müssen aber wiederum Ihre Ideen und Vorstellungen anpassen. Dafür kann es hilfreich sein, weil Ihr Partner eventuell fehlende Fachkenntnis oder ähnliches ausgleichen kann. Um später Missverständnisse und Unstimmigkeiten zu vermeiden, ist es wichtig, frühestmöglich Ziele und Verantwortungsbereiche festzulegen. Bei kombinierten Geschäftsmodellen von Verkauf und beispielsweise einem Café ist es meist zwingend notwendig, zwei Bereiche zu leiten. Hier wäre eine Teamgründung die beste Variante.

Nachfolge

In diesem Fall übernehmen Sie ein bereits bestehendes Geschäft. Haben Sie die Möglichkeit, hierauf zurückzugreifen, ist das ein sehr komfortabler Weg in die Selbstständigkeit im Einzelhandel. Sie sind bereits am Markt etabliert, haben einen Kundenstamm und ggf. eingearbeitete Mitarbeiter. Hier geht es darum, sich nicht in ein schon hoffnungsloses Nest zu setzen und für die Erfolgssicherung und Weiterentwicklung garantieren zu können. Auf der Seite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie finden Sie eine Zusammenfassung von Ladenbesitzern, die eine Nachfolge für Ihr Geschäft suchen.

Franchisenehmer

Ihnen ist das Risiko zu hoch, Sie haben keine brennende Idee, wollen nicht von Anfang an volle Verantwortung tragen oder relativ schnell einsteigen, dann ist die Alternative Franchise vielleicht eine Möglichkeit für Sie. Hier kooperieren Sie, unter Zahlung monatlicher Gebühren, mit einem Partner, der Ihnen bereits ein Geschäftsmodell zur Verfügung stellt, was vor allem hinsichtlich des angestrebten Bekanntheitsgrades durchaus von Vorteil sein kann. Dafür liegt Ihnen ein schon völlig vorgefertigtes Konzept vor, was Ihnen allerdings wenig bis gar keine Freiheiten lässt. D.h., Sie müssen sich klar damit identifizieren können. Beispiele sind: idee+spiel, Bodyshop, Denn’s Bioladen etc.

Businessplan - Herzstück des Geschäftserfolgs

Einen Businessplan arbeiten Sie vor allem für sich selbst aus, zur Festlegung Ihrer Vorhaben und Ziele und zur Selbstkontrolle von Erfolgschancen sowie realistischen Einschätzung, was machbar ist und was nicht. Daneben ist es ebenso wichtig, Partnern, eventuellen Investoren, Bankern, Behörden oder Lieferanten von sich und seiner Idee zu überzeugen. So oder so ist es hilfreich, nein, sogar erforderlich, sein Vorhaben einmal in Gänze zu Papier zu bringen, um sich dadurch bestmöglich zu strukturieren.
Es ist für Sie und Ihr Geschäftsumfeld ein sinnvolles und beinahe unabdingbares Analyseinstrument. Dabei hat jede Idee, jedes Geschäftskonzept seine eigenen Ansprüche, die sich im Businessplan natürlich wiederspiegeln sollen, für die aber keine allgemeingültigen Vorgaben festzuschreiben sind. Aber es gibt zentrale Faktoren, die jeder Businessplan beinhalten sollte:

  •  Idee / Ziele
  •  Dienstleistung / Produktangebot
  •  Organisation / Teamaufstellung
  •  Marketing / Verkauf
  •  Konkurrenz / Marktanalyse
  •  Finanzierung
  •  Umsetzung
  •  Rechtlicher Rahmen
  •  Zusammenfassung

Mehr zum Businessplan finden Sie hier.

Finanzierung – Liquidität vor Rentabilität

Beim Thema Finanzierung geht es ganz klar um die Kapitalplanung. Es steht außer Frage, dass Sie sich zuvor genau darüber bewusst sein sollten, was Sie an Investition benötigen, denn eine detailgetreue Investitionsplanung ist Voraussetzung der Finanzierbarkeit jeglicher Anschaffungen und Grundstein einer realistischen Einschätzung späterer Bilanzierungswerte. Ihre Finanzplanung sollte die ersten drei Jahre umfassen und monatlich aufgeschlüsselt sein. Sie orientiert sich an der Gesamtheit aller Kosten. Daraus muss natürlich klar ersichtlich werden, was Sie aus eigener Tasche zahlen, sprich durch Eigenkapital bestreiten können und ab welcher Summe Sie auf Fremdkapital angewiesen sind. Letzteres bspw. durch einen Kleinkredit für Selbständige, dessen Tilgung wiederum auch in die Finanzierung mit einfließen muss. Neben Fremdkapital aus Krediten, können Sie auch auf Venture Capital, Leasing oder Fördermittel zurückgreifen. Bitte berücksichtigen Sie dabei, dass man insbesondere bei Fördermittelanträgen mit langen Wartezeiten bis zur Bewilligung rechnen muss.

Gründerkredit der KfW:
Hierfür bedarf es einen Nachweis über entsprechende Qualifikation (fachlich/kaufmännisch).

Gründerzuschuss:
Den Gründerzuschuss können Sie aus der Arbeitslosigkeit heraus beim Arbeitsamt beantragen.

Daneben ist es im Rahmen einer Finanzplanung unerlässlich, eine Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) anzustellen sowie offen zu klären, wie es um die Liquidität steht, denn die steht IMMER vor der Rentabilität. Das erklärt, warum eine solche Planung weit im Voraus gestellt werden muss.

Sollten Sie auf Kredite angewiesen sein, ist es wichtig, da vor allem für Banken entscheidend, Sicherheiten wie Bürgschaften, Schulden, Übereignungen, Hypotheken etc. transparent zu machen,
da Sie eventuelle Umstände ggf. mit in Ihr Konzept einfließen lassen können.

Am Ende muss ehrlich vertretbar deutlich gemacht worden sein, dass Sie entsprechende Mittel, ohne mit einem festen Einkommen rechnen zu können, mindestens ein halbes Jahr, besser ein ganzes über die Runden bringt. Hierfür ist eine einfache Rechnung anzustellen:

20 % des späteren Bedarfs müssen als liquides Kapital zur Verfügung stehen.

Weiterführende Hinweise

Setzen Sie sich weiterhin im Vorfeld mit folgenden Punkten auseinander:

Weitere Hinweise und Informationen erhalten Sie: